Inhalt (10 Abschnitte)
- Was die Selbstbeteiligung in der PKV ist
- Vier Modelle in 34 Tarifen
- Prozentsatz oder fester Betrag: was der Unterschied ausmacht
- Kinder und Jugendliche
- Effektivbeitrag: so vergleichen Sie Angebote
- Die Arbeitgeberzuschuss-Falle für Angestellte
- Die gesetzliche Grenze von 5.000 €
- Weitere Punkte für die Entscheidung beim Einstieg
- Für wen eine Selbstbeteiligung passt – und für wen eher nicht
- 5 Prüffragen zu Ihrem Angebot
- Eine PKV-Selbstbeteiligung ist sinnvoll, wenn die jährliche Beitragsersparnis die zusätzliche Selbstbeteiligung möglichst weitgehend ausgleicht und Sie den Betrag jederzeit aus Rücklagen zahlen können.
- Vergleichen Sie Angebote über den Effektivbeitrag: Monatsbeitrag plus Selbstbeteiligung geteilt durch 12 – so rechnet auch Morgen & Morgen im Rating zur Beitragsstabilität.
- Angestellte bekommen zum Beitrag einen Arbeitgeberzuschuss (2026 höchstens 613,22 € im Monat), zur Selbstbeteiligung nicht; die Ersparnis halbiert sich deshalb oft.
- Für die Versicherungspflicht darf die Selbstbeteiligung für ambulante und stationäre Behandlung höchstens 5.000 € im Kalenderjahr betragen (§ 193 Abs. 3 VVG).
- Die 34 ausgewerteten Tarife nutzen vier Modelle: am häufigsten feste Jahresbeträge (28 Tarife), daneben Prozentsätze mit Jahresgrenze, Beträge je Behandlung und Bonus-Stufen; der Beihilfetarif Debeka BC hat keinen tariflichen Selbstbehalt.
Eine PKV-Selbstbeteiligung ist sinnvoll, wenn die Beitragsersparnis die zusätzlich selbst zu tragenden Kosten weitgehend ausgleicht und Sie den Betrag jederzeit aus Rücklagen zahlen können. Vergleichen Sie Angebote deshalb über den Effektivbeitrag (Monatsbeitrag plus Selbstbeteiligung geteilt durch 12). Angestellte müssen bedenken, dass der Arbeitgeber nur zum Beitrag zuschießt. Gesetzlich darf die Selbstbeteiligung für ambulant und stationär höchstens 5.000 € im Jahr betragen.
Diese Seite behandelt den EinstiegHier geht es um die Wahl der Selbstbeteiligung beim Abschluss. Wenn Sie bereits privat versichert sind und Ihren Selbstbehalt im bestehenden Vertrag anheben wollen, lesen Sie den Ratgeber zum Selbstbehalt erhöhen.
Was die Selbstbeteiligung in der PKV ist
Die Selbstbeteiligung (auch Selbstbehalt) ist der Teil der erstattungsfähigen Rechnungen, den Sie in einem Jahr selbst tragen, bevor der Versicherer zahlt. Je höher sie ist, desto niedriger kalkuliert der Versicherer den Beitrag, weil er viele kleine Rechnungen nicht mehr erstattet und weniger Verwaltungsaufwand hat. Beim Einstieg wählen Sie die Stufe im Antrag; sie steht später im Versicherungsschein, oft als Ziffer im Tarifnamen, etwa BMK/2 bei der DKV oder FC100-10 bei ottonova.
Wichtig ist, worauf die Selbstbeteiligung angerechnet wird. Das regelt jeder Tarif selbst. Häufig ausgenommen sind Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen, oft auch Ersatz-Krankenhaustagegelder. Manche Tarife nehmen ganze Bereiche aus: ottonova FC100 rechnet Zahnleistungen, Psychotherapie, Vorsorge und Hilfsmittel nicht an, HanseMerkur KVS1 und KVS3 nehmen stationäre Leistungen und die Hausentbindung aus, die DKV in BMK Vorsorge, Impfungen und das Ersatz-Tagegeld. Bei mehreren Tarifen gilt die Selbstbeteiligung nur ambulant, etwa bei Alte Oldenburger, Concordia, Gothaer MediVita, LVM und der Württembergischen; INTER rechnet ambulante und Zahnleistungen an. Bei Kindern ist die Selbstbeteiligung meist niedriger oder entfällt ganz.
Vier Modelle in 34 Tarifen
In den Bedingungen unserer 34 Steckbriefe finden sich vier Modelle. Am häufigsten ist der feste Jahresbetrag: 28 Tarife bieten ihn zumindest in einer Variante an. Einen Prozentsatz mit Jahresgrenze nutzen neun Tarife, fünf davon neben festen Beträgen; die Hallesche bietet zusätzlich Bonus-Stufen, die Continentale zieht in COMFORT-U Beträge je Behandlung ab. Der Beihilfetarif Debeka BC kennt keinen tariflichen Selbstbehalt. Die Modelle wirken unterschiedlich, je nachdem, wie viele Rechnungen Sie im Jahr haben.
| Tarif | Modell | Stufen laut Tarifdruck |
|---|---|---|
| Allianz AktiMed 90 P (geschlossen) | Prozentsatz mit Jahresgrenze | begrenzt 10 % bis 500 € |
| Allianz MeinGesundheitsschutz | Prozentsatz mit Jahresgrenze | begrenzt 0 %, 10 % bis 500 € oder 30 % bis 1.500 € |
| Alte Oldenburger A/K/Z | Prozentsatz mit Jahresgrenze oder fester Jahresbetrag, nur ambulant | begrenzt A 90/100: 10 % bis 165 €, A 80/100: 20 % bis 330 €; A 106, A 112, A 118: 500, 830 oder 1.250 €; K- und Z-Tarife ohne |
| ARAG MedBest | fester Jahresbetrag | begrenzt 0, 300, 600, 900, 1.200 oder 1.500 € (Kinder die Hälfte); Stufenwechsel ohne erneute Risikoprüfung |
| AXA ActiveMe-U | Prozentsatz mit Jahresgrenze | begrenzt 20 % bis 500 € je Versicherungsjahr (bis zum Jahr des 19. Geburtstags: 250 €); ausgenommen u. a. Vorsorge, Impfungen, Psychotherapie, Heilpraktiker und Heilmittel; im ersten Jahr anteilig |
| AXA EL Bonus-U | fester Jahresbetrag | begrenzt 360 € (Kinder und Jugendliche bis 19: 180 €) |
| AXA GesundExtra | fester Jahresbetrag | begrenzt GesundExtra 1: 0 €, 2: 450 €, 3: 900 € je Kalenderjahr (bis zum Jahr des 19. Geburtstags: 0, 225, 450 €); Vorsorge, Impfungen und Präventionskurse ohne Selbstbeteiligung |
| AXA Vital 250/750 (geschlossen) | fester Jahresbetrag | begrenzt 250 oder 750 € (Kinder und Jugendliche bis 19: die Hälfte) |
| Barmenia einsA | fester Jahresbetrag | begrenzt 330, 660 oder 1.320 € (bis 20 Jahre die Hälfte) |
| Concordia AV | fester Jahresbetrag, nur ambulant | begrenzt AV 1 ohne, AV 2 600 €, AV 3 1.080 €, AV 4 2.040 € (Kinder die Hälfte) |
| Continentale COMFORT-U | Betrag je Behandlung | begrenzt z. B. 20 € je Arzt- oder Zahnarzttag, 20 € je Arzneimittel (nicht Generika), 50 € je Hilfsmittel, 20 € je Krankenhaustag für höchstens 14 Tage; PREMIUM: zusammen höchstens 500 € (Kinder 250 €) |
| Debeka B + BC (Beihilfe) | kein tariflicher Selbstbehalt | enthalten in B und BC kein tariflicher Selbstbehalt; Selbstbeteiligungen nach Beihilfevorschriften (z. B. Kostendämpfungspauschale) gehören nicht zu den verbleibenden Aufwendungen, die BC erstattet |
| Debeka N, NW, N-SB | Prozentsatz mit Jahresgrenze oder fester Jahresbetrag | begrenzt N, NW: 10 % bis 500 €; N-SB: 1.600 € (Kinder 790 €) |
| Debeka PN (geschlossen) | Prozentsatz mit Jahresgrenze oder fester Jahresbetrag | begrenzt PN: 10 % bis 400 €; PNS: 1.040 oder 1.710 €; PNWS: 1.370 € |
| DKV BestMed Komfort BMK | fester Jahresbetrag | begrenzt 0, 420, 1.000 oder 2.100 € (Kinder 0 bis 960 €); BM4: 0, 430, 800 (Frauen) bzw. 860 (Männer) oder 1.720 € |
| DKV BestMed Premium BM5 (geschlossen) | fester Jahresbetrag | begrenzt 0, 430, 860 oder 1.720 € (bis 20 Jahre: 0 bis 860 €) |
| Gothaer MediVita | fester Jahresbetrag, nur ambulant | begrenzt 250 oder 500 € (bis 21 Jahre: 125 bzw. 250 €) |
| Hallesche NK.select | fester Jahresbetrag oder Bonus-Stufe | begrenzt 600, 1.200 oder 3.000 € (bis 20 Jahre die Hälfte); Bonus-Stufe: 100 € je Monat, im Leistungsfall bis 1.200 € verrechnet |
| Hallesche PRIMO | fester Jahresbetrag oder Bonus-Stufe | begrenzt PRIMO.SB: 300, 600 oder 1.200 €; PRIMO.Bonus: 30 € je Monat, im Leistungsfall bis 360 € verrechnet |
| HanseMerkur KVS1/KVS3 | fester Jahresbetrag | begrenzt 500 oder 1.000 € (Kinder bis 19: 0 €); stationär nicht angerechnet |
| HanseMerkur Start Fit | fester Jahresbetrag | begrenzt KVS1: 500 €, KVS3: 1.000 € (Kinder bis 19: 0 €); stationär nicht angerechnet |
| HUK-COBURG Komfort/SelectPro/E | fester Jahresbetrag | begrenzt Komfort und SelectPro: 0, 300, 600 oder 1.500 € je Kalenderjahr; E1: 300 €, E3: 1.500 €; bei Beginn im 2., 3. oder 4. Quartal um 25, 50 bzw. 75 % ermäßigt |
| INTER QualiMed | fester Jahresbetrag, ambulant und Zahn | begrenzt 300, 600, 1.200 oder 2.400 € |
| LKH GUP | fester Jahresbetrag | begrenzt 0, 500, 900 oder 1.800 € (bis 20 Jahre die Hälfte) |
| LVM A/AP | fester Jahresbetrag oder Prozentsatz mit Jahresgrenze, nur ambulant | begrenzt A: 0, 300, 650, 1.350 oder 2.500 €; A 20/P: 20 % bis 2.500 €; AP: 480 oder 960 € |
| Münchener Verein BestensGesund Premium | fester Jahresbetrag | begrenzt 0, 500 oder 1.000 € (Kinder die Hälfte) |
| Nürnberger TOP/MAX | fester Jahresbetrag | begrenzt TOP3: 300 €, TOP6: 600 € (unter 21 Jahren die Hälfte) |
| ottonova First Class | Prozentsatz mit Jahresgrenze | begrenzt FC100-10: 10 % bis 500 €; FC100-25: 25 % bis 1.250 € (First Class Pro+: ohne) |
| R+V AGIL | fester Jahresbetrag | begrenzt 0, 480, 960 oder 1.920 € (Kinder bis 15 die Hälfte) |
| SDK GesundheitsFAIR | Prozentsatz mit Jahresgrenze oder fester Jahresbetrag, ambulant | begrenzt AM10: ohne; AM11: 10 % bis 240 €; AM12: 20 % bis 480 €; AM13: 30 % bis 960 €; AM32/AM33: 1.440 bzw. 2.400 € (Kinder bis 15 die Hälfte); S1 und Z9 ohne |
| SIGNAL IDUNA KOMFORT-PLUS (geschlossen) | fester Jahresbetrag | begrenzt 480, 960 oder 2.400 € (unter 20 Jahren die Hälfte) |
| SIGNAL IDUNA privat-SI | fester Jahresbetrag | begrenzt 0, 500 oder 1.000 € (unter 20 Jahren die Hälfte; START-SI: 500 €) |
| uniVersa uni-intro|Privat | fester Jahresbetrag | begrenzt 300 oder 600 €; im ersten Jahr anteilig gemindert |
| Württembergische Premium | fester Jahresbetrag, nur ambulant | begrenzt 0, 480, 960 oder 1.440 € (Kinder die Hälfte) |
Fester Jahresbetrag: Bis zur Grenze zahlen Sie alles selbst, danach erstattet der Tarif voll. Wer selten zum Arzt geht, merkt davon wenig; wer regelmäßig Rechnungen hat, erreicht die Grenze in jedem Jahr. Prozentsatz mit Grenze: Sie tragen von jeder Rechnung einen Anteil, aber nie mehr als den Höchstbetrag. Bei kleinen Rechnungen erstattet der Tarif trotzdem den größeren Teil. Betrag je Behandlung: Die Continentale zieht in COMFORT-U feste Beträge je Arzttag, Arzneimittel oder Krankenhaustag ab; eine Jahresgrenze nennt der Tarif nur für PREMIUM (zusammen 500 €). Bonus-Stufe: Die Hallesche zahlt in PRIMO und NK.select einen festen Bonus je Monat aus und verrechnet ihn mit Leistungen – das wirkt wie eine Selbstbeteiligung, die erst im Leistungsfall fällig wird.
Prozentsatz oder fester Betrag: was der Unterschied ausmacht
Wie stark sich die Modelle unterscheiden, zeigt ein Vergleich mit zwei Rechnungssummen, gerechnet nach dem Wortlaut der Tarife. Bei 800 € erstattungsfähigen Rechnungen im Jahr tragen Sie mit 10 % bis höchstens 500 € (Debeka N, Allianz MeinGesundheitsschutz und AktiMed 90 P, ottonova FC100-10) 80 € selbst; mit einem festen Jahresbetrag von 500 € wären es die vollen 500 €. AXA ActiveMe-U behält 20 % bis 500 € ein, bei 800 € also 160 €. Bei 6.000 € Rechnungen ist das Ergebnis gleich: Beide Modelle erreichen ihre Grenze von 500 €. Prozentuale Modelle entlasten also vor allem Versicherte mit mittleren Rechnungssummen.
Beachten Sie außerdem, dass die Höhe nicht für immer feststehen muss. Die Debeka passt die Grenze in N und NW bei einer Beitragsanpassung nach dem Verbraucherpreisindex an, HanseMerkur behält sich in KVS eine Änderung bei einer Beitragsanpassung vor. Solche Klauseln stehen im Tarifdruck; die Steckbriefe nennen sie im Feld „Selbstbehalt“.
Kinder und Jugendliche
Für Kinder und Jugendliche sehen die meisten Tarife niedrigere Stufen vor. Bei Barmenia einsA, Hallesche NK.select, LKH GUP und SIGNAL IDUNA gilt bis zum Alter von 20 Jahren die Hälfte, bei R+V AGIL und SDK bis 15 Jahre, bei der Nürnberger unter 21 Jahren und bei Gothaer MediVita bis 21 Jahre; die AXA halbiert in ActiveMe-U und GesundExtra bis zum Jahr des 19. Geburtstags. Die DKV hat in BMK eine eigene Staffel von 0 bis 960 €, AXA EL Bonus-U verlangt 180 € statt 360 €, HanseMerkur KVS bis 19 Jahre gar keine Selbstbeteiligung. Da die Selbstbeteiligung je versicherte Person gilt, rechnen Sie für eine Familie jede Person einzeln: Bei zwei Erwachsenen und zwei Kindern kann die gesamte Selbstbeteiligung eines Jahres ein Vielfaches der Stufe betragen, die Sie für sich selbst gewählt haben.
Effektivbeitrag: so vergleichen Sie Angebote
Der einfachste Maßstab ist der Effektivbeitrag: Monatsbeitrag plus jährliche Selbstbeteiligung geteilt durch 12. Er zeigt, was Sie im Monat zahlen, wenn die Selbstbeteiligung voll ausgeschöpft wird. Auch Morgen & Morgen arbeitet im Rating zur Beitragsstabilität mit dem Effektivbeitrag aus Beitrag und Selbstbehalt.
Rechenbeispiel mit angenommenen Zahlen: Ein Tarif kostet ohne Selbstbeteiligung 600 € im Monat, mit 1.200 € Selbstbeteiligung 520 €. Der Effektivbeitrag der zweiten Variante beträgt 520 € + 1.200 € ÷ 12 = 620 €. Im ungünstigsten Fall zahlen Sie also 20 € mehr im Monat; haben Sie dagegen keine Rechnungen, sparen Sie 80 € im Monat oder 960 € im Jahr. Die Grenze liegt bei 960 € selbst getragenen Kosten im Jahr: Darunter ist die Variante mit Selbstbeteiligung günstiger, darüber teurer. Diese Zahlen sind kein Beitrag eines bestimmten Versicherers; setzen Sie die Werte aus Ihrem Angebot ein.
Fragen Sie deshalb beim Angebot nicht nur nach dem Beitrag, sondern nach allen Stufen desselben Tarifs. Erst die Differenz zwischen den Stufen zeigt, wie viel Ihnen jeder zusätzliche Euro Selbstbeteiligung im Beitrag tatsächlich einbringt.
Die Arbeitgeberzuschuss-Falle für Angestellte
Angestellte erhalten von ihrem Arbeitgeber einen Zuschuss in Höhe der Hälfte des Beitrags, 2026 höchstens 613,22 € im Monat (508,59 € für die Kranken- und 104,63 € für die Pflegeversicherung, § 257 SGB V). Zur Selbstbeteiligung zahlt der Arbeitgeber nichts. Senkt eine höhere Selbstbeteiligung den Beitrag, sinkt der Zuschuss mit.
Im Rechenbeispiel oben bedeutet das: Liegt der Beitrag unter der Höchstgrenze des Zuschusses, sparen Sie als Angestellte von den 80 € Beitragsersparnis nur 40 €, also 480 € im Jahr – tragen aber die 1.200 € Selbstbeteiligung allein. Die Grenze, ab der sich die Selbstbeteiligung nicht mehr rechnet, sinkt damit von 960 € auf 480 € selbst getragene Kosten im Jahr. Für Selbstständige ohne Zuschuss gilt die volle Rechnung. Wer knapp über der Höchstgrenze liegt, sollte genauer rechnen: Solange der Beitrag über dem doppelten Höchstzuschuss bleibt, ändert eine Beitragssenkung am Zuschuss nichts.
Die gesetzliche Grenze von 5.000 €
§ 193 Abs. 3 VVG verpflichtet jede Person mit Wohnsitz in Deutschland zu einer Krankheitskostenversicherung, sofern sie nicht gesetzlich versichert oder anders abgesichert ist. Diese Pflicht erfüllt ein Vertrag nur, wenn die vereinbarten absoluten und prozentualen Selbstbehalte für ambulante und stationäre Heilbehandlung je Person auf 5.000 € im Kalenderjahr begrenzt sind. Für Beihilfeberechtigte gilt der Anteil, den die Beihilfe nicht deckt, bezogen auf diese 5.000 €. Die festen Jahresstufen der 34 ausgewerteten Tarife bleiben deutlich darunter: Die höchste liegt bei 3.000 € (Hallesche NK.select), gefolgt von 2.500 € (LVM A 2500) und 2.400 € (INTER, SDK AM33, SIGNAL IDUNA KOMFORT-PLUS3). Für Beträge je Behandlung nennt die Continentale eine Jahresgrenze nur in PREMIUM; die uniVersa begrenzt alle tariflichen Eigenanteile ausdrücklich auf die Grenze des § 193 Abs. 3 VVG.
Weitere Punkte für die Entscheidung beim Einstieg
Rücklagen: Die Selbstbeteiligung wird in dem Jahr fällig, in dem die Rechnungen anfallen – auch im ersten Jahr und auch bei einer längeren Erkrankung. Wählen Sie nur eine Stufe, die Sie jederzeit ohne Kredit zahlen könnten. Im ersten Jahr mindern einige Tarife die Grenze anteilig, wenn der Vertrag nicht am 1. Januar beginnt, etwa ottonova, die DKV, die uniVersa, AXA ActiveMe-U und die HUK-COBURG (je nach Quartal um 25 bis 75 %).
Beitragsrückerstattung: Tarife mit Beitragsrückerstattung zahlen in leistungsfreien Jahren einen Teil des Beitrags zurück. Wer darauf hofft, reicht kleine Rechnungen oft gar nicht ein – das wirkt wie eine zusätzliche Selbstbeteiligung. Prüfen Sie deshalb, ob sich Selbstbeteiligung und Rückerstattung in Ihrem Tarif sinnvoll ergänzen oder doppeln.
Spätere Änderung: Eine niedrigere Selbstbeteiligung ist für den Versicherer eine Mehrleistung. Er kann dafür eine Gesundheitsprüfung, einen Risikozuschlag oder eine Wartezeit verlangen (§ 204 Abs. 1 Nr. 1 VVG). Einige Tarife erlauben den Wechsel der Stufe ausdrücklich ohne Gesundheitsprüfung, die DKV in BMK und BM5 zum Beginn jedes Versicherungsjahres, die ARAG in MedBest ohne erneute Risikoprüfung. Fragen Sie beim Einstieg, ob und wie Sie die Stufe später wechseln können.
Testkriterien: Stiftung Warentest ließ im Vergleich 3/2025 nur Tarife mit höchstens 660 € Selbstbeteiligung im Jahr als „Rundum-Schutz“ zu. Das ist ein Kriterium für ein Modellprofil, keine Grenze für Ihren Vertrag.
Für wen eine Selbstbeteiligung passt – und für wen eher nicht
Eine Selbstbeteiligung passt eher, wenn Sie selten Rechnungen haben, Rücklagen besitzen und als Selbstständige den Beitrag voll selbst tragen. Weniger passt sie, wenn Sie regelmäßige Behandlungen erwarten, als Angestellte nur die Hälfte der Beitragsersparnis behalten oder die Selbstbeteiligung im Ernstfall nicht sicher zahlen könnten. Für Familien zählt zusätzlich, dass die Selbstbeteiligung je versicherte Person gilt – bei Kindern meist niedriger. Entscheiden Sie im Zweifel lieber für eine mittlere Stufe, die Sie auch in einem Jahr mit vielen Rechnungen gelassen tragen können, als für die höchste Ersparnis auf dem Papier.
5 Prüffragen zu Ihrem Angebot
- Modell: Ist die Selbstbeteiligung ein fester Betrag, ein Prozentsatz mit Grenze, ein Betrag je Behandlung oder eine Bonus-Stufe?
- Umfang: Welche Leistungen werden angerechnet – auch stationär, Zahn, Psychotherapie?
- Stufen: Wie hoch ist der Beitrag in jeder Stufe desselben Tarifs, und wie hoch ist jeweils der Effektivbeitrag?
- Zuschuss: Wie viel der Ersparnis bleibt Ihnen nach dem Arbeitgeberzuschuss?
- Wechsel: Können Sie die Stufe später ändern – und unter welchen Bedingungen?
Den Effektivbeitrag und Ihren Anteil nach Zuschuss rechnet der Angebots-Prüfer. Die Selbstbeteiligung je Tarif steht im Tarif-Check und in den Tarif-Steckbriefen; zur Wartezeit beim Einstieg siehe PKV-Wartezeit.
Häufige Fragen
Ist eine Selbstbeteiligung in der PKV sinnvoll?
Das hängt von der Rechnung ab: Spart die höhere Stufe im Jahr mindestens so viel Beitrag, wie sie an zusätzlicher Selbstbeteiligung kostet, sind Sie auch bei vielen Arztbesuchen nicht schlechter gestellt. Ist die Ersparnis kleiner, lohnt sie sich nur, solange Ihre Rechnungen niedrig bleiben. Angestellte müssen berücksichtigen, dass der Arbeitgeber nur zum Beitrag zuschießt.
Zahlt der Arbeitgeber einen Zuschuss zur Selbstbeteiligung?
Nein. Der Arbeitgeber zahlt die Hälfte des Beitrags, 2026 höchstens 613,22 € im Monat für Kranken- und Pflegeversicherung. Die Selbstbeteiligung tragen Angestellte allein. Senkt eine hohe Selbstbeteiligung den Beitrag, sinkt auch der Zuschuss.
Wie hoch darf die Selbstbeteiligung in der PKV sein?
Damit der Vertrag die Pflicht zur Versicherung erfüllt, dürfen die vereinbarten absoluten und prozentualen Selbstbehalte für ambulante und stationäre Behandlung zusammen höchstens 5.000 € im Kalenderjahr bewirken (§ 193 Abs. 3 VVG). Die Tarife bleiben meist deutlich darunter.
Was ist der Effektivbeitrag?
Der Effektivbeitrag ist der Monatsbeitrag plus ein Zwölftel der jährlichen Selbstbeteiligung. Er zeigt, was Sie im ungünstigen Fall – wenn die Selbstbeteiligung voll ausgeschöpft wird – im Monat tatsächlich zahlen. Mit ihm lassen sich Angebote mit unterschiedlicher Selbstbeteiligung vergleichen.
Gilt die Selbstbeteiligung auch für Vorsorge und Zahnarzt?
Das regelt jeder Tarif selbst. Häufig sind Vorsorge und Impfungen ausgenommen, oft auch Krankenhaus-Tagegelder. ottonova FC100 nimmt zum Beispiel Zahn, Psychotherapie, Vorsorge und Hilfsmittel aus, HanseMerkur KVS rechnet stationäre Leistungen nicht an, bei Gothaer MediVita, LVM und der Württembergischen gilt sie nur ambulant. Den Umfang finden Sie im Steckbrief im Feld „Selbstbehalt“.
Quellen
- § 193 VVG – Versicherungspflicht, Selbstbehalt bis 5.000 € – abgerufen 10.10.2026
- § 257 SGB V – Beitragszuschüsse für Beschäftigte
- Morgen & Morgen: Rating PKV-Beitragsstabilität, Dokumentation 2026 (Effektivbeitrag)
- Stiftung Warentest: Private Krankenversicherung im Vergleich (Stand 19.02.2025)
- DKV: AVB BestMed Komfort BMK/0–3, B 502 (7.26)
- ottonova: Tarif ottonova FC100, Ausgabe 11/2019
- Hallesche: Tarif NK.select XL, PM 253u – 06.26
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu Tarifen und Anbietern der privaten Krankenversicherung (Stand: 12. Oktober 2026). Er ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Lösung zu Ihnen passt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab, z. B. Alter, Gesundheit, Einkommen und Familie. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität; Gesetze und Tarife ändern sich. Tarifangaben geben den Wortlaut der genannten Tarifdrucke wieder; die Kennzeichnung „enthalten/begrenzt/nicht enthalten/nicht belegt“ ist keine Bewertung des Tarifs oder des Versicherers. Herausgeber: PKV-Tarifprofil.de. PKV-Tarifprofil.de ist kein Versicherungsmakler und bietet keine Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung an; eine individuelle Beratung erfolgt ausschließlich durch spezialisierte Kooperationspartner mit Erlaubnis nach § 34d GewO.